Du sollst den HERRN, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft

5. Mose (Deuteronomium) 6, 5 (E)

Eigentlich wollte ich dieses erste „Angedacht“ im neuen Jahr mit guten Wünschen, einem „gesunden neuen Jahr“ und „Gottes Segen“ an Sie beginnen. Auch hätte man Bezug nehmen können auf manch vorsichtig formuliertes Ziel für die kommenden 365 Tage und vielleicht auf ein Vorhaben was in 2026 wieder stärker in den Fokus rückt. Aber mit dem ersten Monatsspruch kommt es ganz anders. Wir sind sofort gefordert und das zu 100 Prozent. Mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft sollen wir Gott lieben.

Jederzeit bereit? – 24 Stunden – mit aller zur Verfügung stehender Kraft – kann ich das leisten? – das ist doch menschlich unmöglich! Und es kommt sogar noch heftiger. Es handelt sich nicht um irgendeine nebensächliche Äußerung. Der Satz gilt als das wichtigste Gebot Gottes. Und das bereits für das auserwählte Volk, bevor Gott es in das versprochene Land Kanaan führte. Jesus selbst bekräftigte dies später, wie wir es im Matthäusevangelium lesen können. Er ergänzte es durch ein ebenso herausforderndes Gebot: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“. Dieses Doppelgebot der Liebe ist also das Maß der Dinge. Zugegeben, auch wir würden es oft gern mit etwas mehr Liebe im Umgang mit Gott und Anderen versuchen wollen. Aber manchmal ist das schwerer als gedacht. Wenn mich der kleine Bruder wieder auf die Palme bringt, der Nachbar schon wieder nervt, der Vorgesetzte mich mit Aufgaben überfordert, oder eine politische Ansicht auch durch die überzeugendsten Argumente diametral meiner entgegensteht. Oder wenn für „den HERRN, deinen Gott“ im überbordenden Alltagsstress einfach keine Zeit mehr ist. Spätestens dann ist das doch menschlich unmöglich! Aber wenn wir nicht beginnen dieses Doppelgebot der Liebe zu Gott und zu unseren Mitmenschen zu leben, werden wir am Ende scheitern - in Inakzeptanz, Intoleranz bis hin zur Diffamierung. Wenn wir aber schon heute damit beginnen, dann kann bereits das Jahr 2026 zu einem friedlicheren, gerechteren, mutmachenderen, freundschaftlicheren und wohltuenderen Jahr werden. Je eher wir diese Erkenntnis in unser Herz aufnehmen, je besser können wir in eine optimistischere Zukunft blicken. Mit diesem großen Maßstab der Gottesliebe will uns Gott selbst ermutigen. Dabei kann die Liebe zu Gott nicht erzwungen werden, sondern sie kommt aus dem Glauben.

So möge dieser Vers zur Ermutigung beitragen und uns zuversichtlich durch das begonnene Jahr begleiten.

Dafür wünsche ich Gottes Segen

Stephan Ebschke,

Kirchgemeindevertretung