Botschaften der Bilder

Ob es ein Zufall ist, dass im Wort Bildung das Wort Bild steckt? Für mich als Gemeindepädagoge gibt es jedenfalls einen untrennbaren Zusammenhang von „Bild und Botschaft“.

Als ich vor vielen Jahren in der Friedenskirchgemeinde zu arbeiten begann und erstmalig den Altarraum der Kirche betrat, fielen mir sofort die Glasfenster über dem Altar auf. Ich spürte sofort, diese sind ein Schatz. Nicht weil nahezu jedes Glasfenster oder Altarbild in Kirchen einzig ist, sondern weil ich mit diesen Bildern in der Friedenskirche biblische und kirchengeschichtliche Verkündigung gestalten kann, und auch Kinder zu diesen Bildern leicht einen Zugang finden können.

Mit Bildern können Kinder biblische Geschichten wiederentdecken: „die Geschichte kenne ich doch“ oder Kinder (auch Erwachsene) können zu Bildern Geschichte(n) weitererzählen und so diese Geschichte zu ihrer Geschichte machen. Bilder können also Türöffner fürs Erzählen und für manche Gespräche sein.

Gern nutzen Kinder ihre eigene Kreativität, um ihre religiösen Vorstellungen bildlich darzustellen. Dabei kann eine Vielfalt von Religiosität zum Ausdruck kommen, die sich so sprachlich oft nicht beschreiben lässt.

Hier sind Beispiele aus meiner religionspädagogischen Praxis:

  • Klasse 7
    Im ev. Religionsunterricht steht im Lehrplan die biblische Pfingstgeschichte. Am Ende der Unterrichtseinheit bekommen die Schüler den Auftrag ein Bibelcomic (Wort+Bild) zu Pfingsten für Grundschüler zu gestalten.  
  • Klasse 9
    Auch „Gottesbilder und Gottesvorstellungen“ ist ein häufiges Thema im Unterricht. Hier lautete der Gestaltungsauftrag: Zeichne deine Vorstellungen von Gott, oder beschreibe Deine Vorstellungen. Nahezu alle Schüler wählten die bildliche Gestaltung. Wahrscheinlich auch deshalb, weil Gott sich nicht auf Worte reduzieren lässt. Spannend bei dieser Themenstellung ist immer wieder die Frage nach dem Gottesbildverbot aus den 10 Geboten und den Vorbehalten gegenüber Bildern auch in der Theologie und Kirchengeschichte, auch mit Bezug auf die ersten Worte des Johannesevangeliums: „Am Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort“.

In der gemeindepädagogischen Arbeit wissen wir schon lange, dass neben dem geschriebenen oder gesprochenen Wort das Bild eine wesentliche Rolle spielt. Bilder nutzen wir zur Sachinformation „so sieht es in Jerusalem aus“ oder wie schon oben beschrieben, als Türöffner für Gespräche. Andachten, manchmal auch Gottesdienste können durch Bilder oder Bildgeschichten anschaulicher werden. In den letzten Jahren ist vermehrt zu beobachten, dass Kinder leichter über Bilder als über Texte Zugang zu Geschichten finden. Gern arbeite ich mit Bilderbibeln, Bilderbüchern. Bei der Erzählung von biblischen Geschichten nutze ich Figuren und Gegenstände zur Veranschaulichung.

Wir erleben in den letzten Jahren allerdings auch eine mediale Bilderflut.

  • Achten wir auf eine gute Qualität der genutzten Bilder? Kennzeichen anspruchsvoller Bilder sind deren Offenheit und Mehrdeutigkeit.
  • Gibt es Möglichkeiten eines entdeckenden Lernens?
  • Weckt das Bild Emotionen?
  • Finde ich als Mensch einen Platz in dem Bild?

Lasst uns gemeinsam mit diesen Schwerpunktseiten die Botschaften der Bilder in unseren Kirchen entdecken und dazu ins Gespräch kommen.

Viel Freude beim Entdecken wünscht Martin Degen